Segelunterricht in Bad Saarow – sonnige Stunden auf dem Scharmützelsee

Segelunterricht auf dem Scharmützelsee

Es gibt Unterrichtstage, an denen alles stimmt. Der Scharmützelsee hat sich heute von seiner schönsten Seite gezeigt: Frühlingssonne, ablandiger Wind und Segelschüler, die mit echter Neugier und Lernbereitschaft an Bord gestiegen sind. Genau solche Tage erinnern mich daran, warum ich Segeln unterrichte.

Was gibt es bei ablandigem Wind zu beachten?

Der ablandige Wind bedeutete: Am Steg war es noch ruhig, fast sommerlich. Wir hätten uns genauso gut in die Sonne setzen können und den Tag genießen. Aber draußen auf dem See – da war ordentlich Betrieb. Dieser Unterschied ist selbst schon eine Lektion: Ablandiger Wind ist nicht ehrlich zu Dir. Du unterschätzt die Windstärke, welche Dich auf dem See erwartet.

Und zwei weitere Gefahren warten auf Dich. Zum einen entfernst Du sich beim Raumwindkurs leicht und schnell vom Heimathafen. Und zum anderen ist der Rückweg auf Am-Wind-Kursen lang und beschwerlich.

Und noch ein Bonustipp: Auch bei der Bekleidung kannst Du Dich verschätzen. An Land ist es warm und windstill. Auf dem Wasser kann es dagegen sehr frisch werden.

Es gibt nur zwei Elemente beim Segeln?

Am Anfang jedes Unterrichts stelle ich meinen Schülerinnen und Schülern dieselbe Frage: „Was kannst du auf einem Segelboot eigentlich verändern?“ Dabei ist die Antwort denkbar einfach: Kurs und Segelstellung – mehr gibt es nicht.

Aber obwohl es nur zwei Elemente sind, gibt es doch sehr viele Kombinationen. Und die genaue Windrichtung zu erkennen ist auch eine Aufgabe, die viel Übung bedarf.

Was hat „Geben und Nehmen“ mit dem Segeln zu tun?

Wenn man aktiv die Richtung ändert, kann man sich der Regel „Geben und Nehmen“ bedienen: Wer anluven möchte, gibt die Pinne (drückt sie zum Großsegel) und nimmt die Schot (holt sie dicht). Möchte man abfallen, macht es genau umgekehrt.

Ja, der Verklicker ist Dein Freund

Eines der ersten praktischen Dinge, die ich jedem Segelschüler beibringe, ist das Lesen des Verklickers. Dieses kleine Fähnchen am Mast ist ehrlicher als jedes Instrument: Es zeigt in jeder Sekunde, woher der Wind kommt – und damit, ob Kurs und Segel zusammenpassen.

Halbwind: Verklicker quer zum Boot, Segel halb raus. Raumwind: Verklicker schräg nach vorne, Segel weit draußen. Hart am Wind: Segel ganz dicht, Verklicker leicht nach hinten. Ich erlebe immer wieder, wie schnell Segelschüler anfangen, instinktiv nach oben zu schauen – und wie viel sicherer sie allein dadurch werden.

Ein flatterndes Segel ist dabei der deutlichste Hinweis, dass irgendetwas nicht stimmt. Es ist kein Naturgesetz, dem man hilflos ausgeliefert ist – es ist eine Einladung zur Entscheidung: dichtholen oder abfallen. Wer dauerhaft mit flatternden Segeln fährt, hat die Einladung übersehen.

Und noch ein Bonustipp in Bezug auf den Verklicker: Segelkopf und Verklicker sollten immer auf Am- und Halbwindkursen in die gleiche Richtung zeigen. Denn oft passiert es, dass das Segel zu dicht gefahren wird. Hier kann man sich sehr gut am Verklicker orientieren.

Wende und Halse – zwei grundverschiedene Manöver

Die Wende ist das erste Manöver, das Segelschüler lernen. Aber auch für Fortgeschrittene gibt es noch etwas zu lernen. Denn eine Wende ist fertig, sobald das Großsegel auf dem neuen Kurs wieder Wind gefangen hat. Daran kann man sich sehr gut orientieren, um die Wende zur richtigen Zeit zu beenden.

Die Halse ist anspruchsvoller und verdient besondere Aufmerksamkeit. Hier bringt der Wind das Segel von achtern rum – und wer das unkontrolliert passieren lässt, bekommt den Baum schnell und hart um die Ohren. Der entscheidende Handgriff ist das Führen des Segels: nicht waagrecht rüberziehen, sondern mit einer U-Bewegung nach unten.

Warum? Weil Druck aus dem Segel immer nach oben will – und ein Segel, das man nach oben lässt, schlägt unkontrolliert zuerst ganz oben um. Wer dagegen nach unten zieht, schließt das Segel oben und führt den Baum wie ein Brett kontrolliert von einer Seite auf die andere. Das ist einer dieser Momente im Unterricht, die man am besten einmal live sieht – und dann noch einmal selbst macht.

Alternativ dazu holt man bei Kieljollen oder Kielyachten vor der Halse auf dem Raumwindkurs das Segel voll dicht. Während der Halse fiert man dann kurz nachdem das Segel umgeschlagen hat, so dass es geschmeidig aufgeht.

Heute haben wir die Halse mehrfach geübt. Die Verbesserung von Durchgang zu Durchgang war deutlich spürbar.

Die Fock als Sicherheitsanzeige für Deinen sicheren Raumwindkurs

Mit Fock zu fahren macht nicht nur schneller – es macht auch sicherer. Zumindest, wenn man weiß, was man sieht. Die Fock ist auf einem Raumwindkurs der beste Indikator dafür, ob man sich noch in sicherem Fahrwasser befindet.

Steht die Fock, ist der Kurs sicher. Der Wind kommt von der Seite, das Vorsegel hat Luft, und eine unkontrollierte Patenthalse ist ausgeschlossen. Fällt die Fock ein, kommt der Wind von genau hinten – das Boot ist auf Vorwindkurs, und der Großbaum kann jederzeit ungewollt auf die andere Seite donnern.

Ich lasse meine Schüler diesen Grenzbereich bewusst erleben: abfallen, bis die Fock einfällt, und sofort spüren, wie der Kurs unsicher wird. Dann wieder anluven, bis sie wieder steht. Das prägt sich ein. Wer einmal den Unterschied zwischen stehendem und eingefallenem Vorsegel körperlich erlebt hat, vergisst ihn nicht.

Starker Wind einfach gemeistert

Heute hatten wir gegen Nachmittag ordentlichen Wind für März. Das war eine gute Gelegenheit, über Luv-Gierigkeit zu sprechen: das Phänomen, dass ein Boot mit vollen Segeln und Krängung immer zum Wind hin drehen will, als hätte es einen eigenen Kopf.

Das liegt daran, dass der Vortriebspunkt bei größerer Schräglage außerhalb der Bootsmitte in Lee liegt. Fast wie ein Seil, welches an der Seite zieht und das Boot dreht. Je schräger das Boot, desto stärker der Effekt.

Die Lösung ist nicht Kraft, sondern Einsicht: Segelfläche verringern, also reffen. Ein gerefftes Segel bedeutet weniger Kraft, weniger Krängung, weniger Luv-Gierigkeit – und am Ende dieselbe Geschwindigkeit, nur mit deutlich weniger Kraft im System. Wer bei starkem Wind die Pinne permanent zu sich ziehen muss, segelt falsch eingestellt, nicht sportlich.

Beim Reffen gilt die Reihenfolge: Segelhals, Schothorn, Refbändsel. Beim Ausreffen genau umgekehrt. Die Refbändsel haben dabei eher eine aufräumende Funktion – sie halten nicht viel. Das ist keine akademische Kleinigkeit, sondern eine Erfahrung, die ich selbst auf einer Segelyacht gemacht habe. Falsche Reihenfolge, fünf Löcher im Segel. Man lernt.

Boje über Bord – das Prüfungsmanöver, welches Leben retten kann

Den Abschluss des Tages bildete das Boje-über-Bord-Manöver. Es ist das Manöver, das ich am meisten Wert auf sorgfältige Ausführung lege – weil man es im Ernstfall nicht oft wiederholen möchte.

Das Prinzip des Aufschießers: sofort auf einem Raumwindkurs gehen, wenden, zurückfahren und die Person dabei in Luv halten. Wenn die Verlängerung des Großbaums auf die Person zeigt, eindrehen, Segel komplett raus, aufschießen – das Boot bremst durch den Wind ab, der Vorschoter holt die Person an Bord.

Das Manöver kann übrigens nicht nur Leben retten. Sondern auch verlorene Fender oder Basecaps.

Segeln lernen in Bad Saarow

Der Scharmützelsee ist für mich ein ideales Revier für Segelunterricht. Er ist groß genug für echte Wind- und Wellenbedingungen, bietet aber gleichzeitig genug ruhige Ecken, um Manöver in Ruhe zu üben. Und der Blick auf die bewaldeten Ufer im Frühlicht ist einfach schön.

Segelunterricht bedeutet für mich nicht, Techniken abzuhaken. Es geht darum, ein Gespür zu entwickeln – für den Wind, für das Boot, für den richtigen Moment. Das lässt sich nicht in einer Stunde lehren, aber man kann den Grundstein legen. Heute hat das sehr gut funktioniert.

Interesse an einem Segelkurs auf dem Scharmützelsee? Fragen und Anfragen gerne in die Kommentare oder direkt per Nachricht. Das Schnuppersegeln, Plätze für das offene Segeltraining oder privaten Segelunterricht kannst Du online buchen. ⛵

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